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Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf: Was Käufer oft unterschätzen

·10 Min Lesezeit
FinanzierungKaufratgeber
Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf: Was Käufer oft unterschätzen

Der Kaufpreis steht im Exposé. Was dort nicht steht: die tausende Euro an Nebenkosten, die beim Immobilienkauf zusätzlich anfallen. Je nach Bundesland und Situation können das 5,5 % bis über 15 % des Kaufpreises sein. Bei einer Immobilie für 400.000 € bedeutet das 22.000 bis 60.000 € — Geld, das die meisten Käufer aus Eigenkapital aufbringen müssen, weil Banken Nebenkosten selten mitfinanzieren.

Wichtig: Diese einmaligen Nebenkosten sind nicht das Gleiche wie die laufenden monatlichen Kosten — beides muss separat eingeplant werden.

Die vier festen Kaufnebenkosten

Diese Kosten fallen bei jedem Immobilienkauf an. Sie sind gesetzlich geregelt oder marktüblich und lassen sich nicht vermeiden.

1. Grunderwerbsteuer — der größte Posten

Die Grunderwerbsteuer ist der teuerste Nebenkosten-Posten und variiert je nach Bundesland erheblich:

BundeslandSteuersatzBei 400.000 € Kaufpreis
Bayern, Sachsen3,5 %14.000 €
Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bremen5,0 %20.000 €
Hamburg5,5 %22.000 €
Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern6,0 %24.000 €
Brandenburg, NRW, Schleswig-Holstein, Saarland6,5 %26.000 €

Das gleiche Haus kostet in Bayern also 12.000 € weniger Grunderwerbsteuer als in NRW. Wer in Grenznähe sucht, kann allein durch die Bundeslandwahl tausende Euro sparen.

2. Notarkosten — ca. 1,0–1,5 %

Der Notar beurkundet den Kaufvertrag, bestellt die Grundschuld für die Bank und veranlasst die Eigentumsumschreibung. Die Gebühren sind im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgelegt — Verhandeln ist nicht möglich. Typische Leistungen:

  • Beurkundung des Kaufvertrags
  • Grundschuldbestellung für die finanzierende Bank
  • Einholung von Genehmigungen (z.B. Vorkaufsrecht der Gemeinde)
  • Auflassungsvormerkung im Grundbuch

Bei 400.000 € Kaufpreis rechnen Sie mit ca. 5.000–6.000 € Notarkosten.

3. Grundbuchkosten — ca. 0,5 %

Das Grundbuchamt berechnet Gebühren für die Eigentumsumschreibung und die Eintragung der Grundschuld. Bei 400.000 € sind das rund 2.000 €. Diese Kosten werden häufig mit den Notarkosten zusammengefasst, sind aber ein separater Posten.

4. Maklergebühr — bis zu 3,57 %

Seit Dezember 2020 gilt: Bei Wohnimmobilien darf der Verkäufer dem Käufer maximal die Hälfte der Maklerprovision auferlegen. In der Praxis ist die häufigste Aufteilung 50/50 mit je 3,57 % inkl. MwSt. pro Partei.

Wichtig: Die Provision ist verhandelbar, auch wenn es nicht so wirkt. Und manche Immobilien werden provisionsfrei angeboten — das spart bei 400.000 € rund 14.280 €. Achten Sie im Exposé auf die genaue Angabe. Steht dort nichts zur Provision, fragen Sie nach.

Übersicht: Feste Nebenkosten im Vergleich

KostenfaktorMinimumMaximumBei 400.000 €
Grunderwerbsteuer3,5 %6,5 %14.000–26.000 €
Notar1,0 %1,5 %4.000–6.000 €
Grundbuch0,3 %0,5 %1.200–2.000 €
Makler (Käuferanteil)0 %3,57 %0–14.280 €
Gesamt4,8 %12,07 %19.200–48.280 €

Die versteckten Zusatzkosten

Neben den festen Nebenkosten gibt es Kosten, die viele Käufer erst nach dem Kauf oder kurz davor auf dem Schirm haben.

5. Sofortige Sanierung und Renovierung

Kaum eine Bestandsimmobilie ist ohne Investition bezugsfertig. Selbst bei "gut erhaltenen" Objekten fallen häufig an:

  • Malerarbeiten und Bodenbeläge: 5.000–15.000 €
  • Badezimmer-Renovierung: 10.000–25.000 € pro Bad
  • Küche: 5.000–20.000 €
  • Fensteraustausch: 500–800 € pro Fenster

Bei umfassenderem Sanierungsbedarf (Dach, Heizung, Elektrik) können schnell 50.000–100.000 € zusammenkommen. Diese Kosten werden von vielen Käufern systematisch unterschätzt, weil sie sich auf den Kaufpreis konzentrieren.

6. Gutachterkosten

Ein Baugutachten vor dem Kauf kostet 400–1.500 € für eine Kaufberatung, 2.000–5.000 € für ein Vollgutachten. Das klingt nach viel — kann Ihnen aber zehntausende Euro an verdeckten Mängeln ersparen. Besonders bei Altbauten ab Baujahr 1970 und älter ist ein Sachverständiger dringend empfohlen.

7. Umzugskosten

Je nach Entfernung und Haushaltsgröße kostet ein Umzug mit Spedition 1.500–5.000 €. In Eigenregie ist es günstiger, aber der Zeitaufwand und das Risiko für Beschädigungen steigen.

8. Finanzierungsnebenkosten

Die Bank verlangt in der Regel eine Grundschuldbestellung (in den Notarkosten enthalten) und ggf. eine Schätzgebühr von 200–500 €. Manche Banken berechnen eine Bereitstellungszins von 0,25 % pro Monat auf noch nicht abgerufene Darlehensteile — relevant bei Neubau oder Sanierung, wenn das Geld in Raten fließt.

9. Erschließungskosten (bei Häusern)

Ein oft übersehener Posten: Ist die Straße vor dem Haus voll erschlossen? Wenn nicht, kann die Gemeinde Erschließungsbeiträge nachfordern — im schlimmsten Fall 10.000–30.000 €. Fragen Sie vor dem Kauf beim Bauamt nach.

10. Sonderumlagen (bei ETW)

Bei Eigentumswohnungen können Sonderumlagen für Dachsanierung, Heizungstausch oder Fassadendämmung anfallen. Üblich sind 5.000–20.000 € pro Einheit. Prüfen Sie die WEG-Protokolle der letzten drei Jahre — dort stehen geplante Maßnahmen und deren Finanzierung. Tiefer ins Thema steigt Hausgeld, Rücklagen, Sonderumlage: Was Wohnungskäufer wissen sollten ein.

Die laufenden Kosten nach dem Kauf

Auch nach dem Kauf hören die Kosten nicht auf. Diese monatlichen Belastungen sollten Sie in Ihre Finanzplanung einbeziehen:

PositionETW (80 m²)EFH (130 m²)
Hausgeld / Betriebskosten280–360 €/Mon.250–400 €/Mon.
Grundsteuer30–80 €/Mon.50–120 €/Mon.
Gebäudeversicherung15–25 €/Mon.30–50 €/Mon.
Heizkosten60–150 €/Mon.100–250 €/Mon.
Instandhaltungsrücklage(im Hausgeld)100–200 €/Mon.
Summe385–615 €/Mon.530–1.020 €/Mon.

Diese Kosten kommen zur Kreditrate hinzu. Rechnen Sie konservativ: Kreditrate plus laufende Kosten sollten maximal 35–40 % Ihres Nettohaushaltseinkommens betragen.

Rechenbeispiel: Die wahren Kosten eines Immobilienkaufs

Nehmen wir eine Eigentumswohnung in Hessen für 380.000 €:

PositionBetrag
Kaufpreis380.000 €
Grunderwerbsteuer (6,0 %)22.800 €
Notar + Grundbuch (1,8 %)6.840 €
Makler Käuferanteil (3,57 %)13.566 €
Renovierung (Bad + Böden)18.000 €
Küche8.000 €
Umzug2.500 €
Gesamtinvestition451.706 €

Die tatsächlichen Kosten liegen fast 72.000 € über dem Kaufpreis — das sind 19 % mehr. Bei einer 90-%-Finanzierung müssten Sie mindestens 71.706 € Eigenkapital mitbringen (alle Nebenkosten + 10 % des Kaufpreises).

Drei Tipps zur Nebenkosten-Optimierung

  1. Provisionsfrei kaufen: Achten Sie gezielt auf Inserate ohne Käuferprovision. Privatverkäufe oder Bauträger bieten oft provisionsfrei an. Ersparnis: bis zu 14.000 € bei 400.000 € Kaufpreis.
  2. Inventar separat kaufen: Einbauküche, Sauna oder Markise können im Kaufvertrag separat aufgeführt werden. Auf diesen Anteil fällt keine Grunderwerbsteuer an. Bei 15.000 € Inventar sparen Sie bis zu 975 € (bei 6,5 % GrESt).
  3. Bundesland beachten: Wer flexibel ist, kann durch einen Kauf im günstigeren Bundesland tausende Euro Grunderwerbsteuer sparen. Der Unterschied zwischen Bayern (3,5 %) und NRW (6,5 %) beträgt bei 400.000 € genau 12.000 €.

Fazit: Den Gesamtpreis kennen, nicht nur den Kaufpreis

Der Kaufpreis im Exposé ist nur die Spitze des Eisbergs. Wer seriös kalkuliert, rechnet Grunderwerbsteuer, Notar, Makler, Renovierung und laufende Kosten von Anfang an mit. Nur so lässt sich einschätzen, ob eine Immobilie tatsächlich ins Budget passt — oder ob die Gesamtbelastung die Grenze überschreitet.

ImmoPrüf berechnet die Kaufnebenkosten automatisch — korrekt nach Bundesland, inklusive Maklergebühr und geschätzter Sanierungskosten. So sehen Sie die Gesamtinvestition auf einen Blick und können Immobilien nicht nur nach Kaufpreis, sondern nach tatsächlicher Belastung vergleichen.

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