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Provisionsfrei: Was es bedeutet und ob es günstiger ist

·7 Min Lesezeit
Von der ImmoPrüf-Redaktion · recherchiert & faktengeprüft
KaufratgeberFinanzierung
Provisionsfrei: Was es bedeutet und ob es günstiger ist

„Provisionsfrei" ist eines der häufigsten Schlagworte in Immobilienanzeigen — und eines der am meisten missverstandenen. Viele Käufer lesen es als „günstiger" und gehen davon aus, automatisch ein paar tausend Euro zu sparen. Das stimmt manchmal, aber längst nicht immer.

Der Begriff sagt zunächst nur etwas über einen einzelnen Kostenpunkt aus: die Maklerprovision. Er sagt nichts über den Kaufpreis selbst — und genau dort entscheidet sich, ob ein Angebot tatsächlich attraktiv ist.

Dieser Artikel erklärt, was „provisionsfrei" rechtlich bedeutet, in welchen Fällen es auftritt, wie viel Sie als Käufer sonst zahlen würden — und warum das Label allein noch kein gutes Geschäft ist.

Was „provisionsfrei" konkret bedeutet

„Provisionsfrei" beziehungsweise „käuferprovisionsfrei" heißt schlicht: Sie als Käufer zahlen keine Maklerprovision. Der Posten, der sonst zu den größten Kaufnebenkosten zählt, entfällt für Sie vollständig. Das ist eine reine Aussage über Ihre Kostenseite — nicht über den Wert oder die Qualität der Immobilie.

In der Praxis steht das Wort für drei typische Konstellationen:

  • Privatverkauf ohne Makler: Der Eigentümer verkauft selbst und beauftragt keinen Makler. Es gibt schlicht keine Provision, die jemand zahlen müsste.
  • Verkauf direkt vom Bauträger: Neubauprojekte werden häufig direkt vom Bauträger vertrieben. Die Vertriebskosten stecken dann in der Projektkalkulation, nicht in einer separaten Courtage.
  • Verkäufer trägt die komplette Provision: Ein Makler ist eingeschaltet, aber der Verkäufer übernimmt dessen Honorar vollständig. Für Sie als Käufer fällt nichts an.

Wichtig ist die Abgrenzung: „Provisionsfrei" bezieht sich auf die Maklerprovision — nicht auf die übrigen Kaufnebenkosten. Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch zahlen Sie auch bei einem provisionsfreien Objekt. Was alles dazugehört, fasst unser Überblick zu den Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf zusammen.

Wie viel Provision Sie sonst zahlen würden

Um den Wert des Labels einzuordnen, hilft ein Blick auf die übliche Käuferprovision. Bei Wohnimmobilien liegt der Käuferanteil typischerweise zwischen 2,98 und 3,57 Prozent des Kaufpreises inklusive Mehrwertsteuer. Das klingt nach wenig — in absoluten Zahlen ist es das nicht.

KaufpreisProvision 2,98 %Provision 3,57 %
250.000 €7.450 €8.925 €
300.000 €8.940 €10.710 €
400.000 €11.920 €14.280 €
500.000 €14.900 €17.850 €
600.000 €17.880 €21.420 €

Bei einem Kaufpreis von 400.000 € sparen Sie mit einem käuferprovisionsfreien Angebot also rechnerisch 14.280 € (bei 3,57 Prozent). Das ist ein erheblicher Betrag — er macht provisionsfreie Objekte grundsätzlich interessant, sofern der Preis selbst fair ist. Genau dieser Vorbehalt ist entscheidend, und auf ihn kommen wir gleich zurück. Wie die übliche Provision im Detail geteilt wird, lesen Sie in unserem Beitrag zur Maklerprovision beim Immobilienkauf.

Die 50/50-Regel: warum reine Käuferprovision selten geworden ist

Dass Käufer überhaupt nur noch einen Teil der Provision tragen, ist Folge einer Gesetzesreform. Seit dem 23. Dezember 2020 gilt für den Verkauf von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern an Verbraucher die sogenannte 50/50-Regel (§§ 656c und 656d BGB).

Vereinfacht gesagt: Beauftragt der Verkäufer den Makler, darf er höchstens die Hälfte der Provision auf den Käufer abwälzen. Eine Konstellation, in der der Käufer allein die volle Courtage zahlt, ist bei diesen Wohnimmobilien rechtlich nicht mehr zulässig. Das hat die früher übliche „reine Käuferprovision" praktisch abgeschafft.

Für das Thema dieses Artikels bedeutet das zweierlei. Erstens: Selbst bei einem ganz normalen Maklerobjekt tragen Sie heute meist nur die Hälfte der Provision. Zweitens: Wenn ein Angebot ausdrücklich als „provisionsfrei" gekennzeichnet ist, geht der Vorteil für Sie über diese gesetzliche Teilung hinaus — Sie zahlen dann gar nichts statt der hälftigen Beteiligung.

Warum „provisionsfrei" nicht automatisch günstiger ist

Hier liegt der wichtigste Denkfehler. „Provisionsfrei" bedeutet nicht automatisch, dass Sie insgesamt weniger zahlen. Der Grund ist einfach: Ein Verkäufer, der die komplette Maklerprovision selbst trägt, kann diese Kosten in den Angebotspreis einkalkulieren.

Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht das. Angenommen, zwei vergleichbare Wohnungen stehen zum Verkauf:

  • Objekt A kostet 400.000 € zuzüglich 3,57 Prozent Käuferprovision, also 14.280 €. Ihr Gesamtaufwand für Kaufpreis plus Provision: 414.280 €.
  • Objekt B ist „provisionsfrei", kostet aber 415.000 €. Ihr Gesamtaufwand: 415.000 €.

Obwohl Objekt B kein Wort „Provision" enthält, zahlen Sie unterm Strich mehr. Der Verkäufer hat seine Vertriebskosten lediglich in den Preis verlagert. Das Label hat also keinen eigenen Wert — entscheidend ist immer der Gesamtpreis im Marktvergleich, nicht die Bezeichnung in der Anzeige.

Das gilt besonders beim Bauträger-Neubau: Dort ist „provisionsfrei" fast Standard, weil die Vertriebskosten ohnehin Teil der Projektkalkulation sind. Die Frage ist nie, ob Provision ausgewiesen wird, sondern ob der Quadratmeterpreis für Lage und Ausstattung angemessen ist. Wie Sie das prüfen, zeigt unser Leitfaden Ist der Angebotspreis fair?.

So bewerten Sie ein provisionsfreies Angebot richtig

Statt sich vom Label leiten zu lassen, sollten Sie ein provisionsfreies Objekt genauso prüfen wie jedes andere — mit dem Gesamtpreis als Maßstab. Drei Schritte helfen dabei:

  1. Gesamtpreise vergleichbar machen: Rechnen Sie bei Maklerobjekten den Käuferanteil der Provision auf den Kaufpreis auf. Erst dann vergleichen Sie Äpfel mit Äpfeln.
  2. Marktpreis prüfen: Liegt der Angebotspreis im Rahmen vergleichbarer Objekte in der Lage? Ein provisionsfreies, aber überteuertes Objekt ist teurer als ein faires Maklerobjekt.
  3. Nebenkosten vollständig kalkulieren: Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch fallen unabhängig vom Provisionsstatus an. Sie summieren sich je nach Bundesland typischerweise auf einen erheblichen Anteil des Kaufpreises.

Beim Privatverkauf ohne Makler kommt ein praktischer Aspekt hinzu: Sie verhandeln direkt mit dem Eigentümer, ohne Vermittler dazwischen. Das kann Spielraum schaffen, verlangt aber auch mehr Eigeninitiative bei Unterlagen und Terminen. Hinweise zum ersten Kontakt finden Sie in unserem Beitrag zum Bearbeiten von Immobilienanfragen.

Ein konkreter Vergleich macht den Maßstab greifbar. Sehen Sie ein provisionsfreies Objekt für 415.000 € und ein Maklerobjekt für 400.000 € plus 3,57 Prozent Provision, kostet Sie das Maklerobjekt 414.280 € — also rund 720 € weniger als das vermeintlich günstige provisionsfreie Angebot. Erst wenn das provisionsfreie Objekt unter dieser Gesamtsumme bleibt, ist es tatsächlich der bessere Deal. Notieren Sie sich diese Vergleichszahl vor jeder Besichtigung, dann lassen Sie sich von der Bezeichnung in der Anzeige nicht mehr beeindrucken.

Sonderfälle und Stolperfallen

Einige Punkte werden in „provisionsfreien" Anzeigen leicht überlesen:

  • „Käuferprovisionsfrei" ist nicht gleich „kostenfrei": Das Wort bezieht sich nur auf die Maklercourtage. Alle übrigen Kaufnebenkosten bleiben bestehen.
  • Provision aus Eigenkapital: Wo Provision anfällt, finanzieren Banken sie in der Regel nicht mit. Entfällt sie, sinkt entsprechend Ihr Eigenkapitalbedarf für die Nebenkosten — ein realer, oft unterschätzter Vorteil.
  • Unklare Formulierungen: Steht im Exposé „provisionsfrei für den Käufer", aber später taucht doch eine Courtage auf, fragen Sie vor jeder Besichtigung schriftlich nach. Maßgeblich ist, was Sie schwarz auf weiß bestätigt bekommen.
  • Geltungsbereich der 50/50-Regel: Die gesetzliche Teilung gilt nur für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser an Verbraucher. Bei Grundstücken, Mehrfamilienhäusern oder Gewerbe ist die Provisionsverteilung frei verhandelbar — hier lohnt ein besonders genauer Blick.

Fazit: Das Label ist ein Hinweis, kein Preisurteil

„Provisionsfrei" heißt, dass Sie als Käufer keine Maklerprovision zahlen — und das kann bei einem Kaufpreis von 400.000 € rechnerisch über 14.000 € sparen. Aber nur dann, wenn der Preis fair ist. Verkäufer können ihre Maklerkosten in den Angebotspreis einkalkulieren, weshalb das Label allein nichts über die Wirtschaftlichkeit aussagt. Entscheidend ist und bleibt der Gesamtpreis im Marktvergleich.

Behandeln Sie „provisionsfrei" deshalb als das, was es ist: ein Hinweis auf einen entfallenden Kostenpunkt, nicht als Garantie für ein gutes Geschäft. Prüfen Sie jedes Angebot mit denselben Maßstäben — Preis, Lage, Zustand und vollständige Nebenkosten.

Mit ImmoPrüf erhalten Sie zu jedem Exposé-Link eine strukturierte Ersteinschätzung: eine Preisbewertung im Marktvergleich, die vollständige Kaufnebenkosten-Rechnung, eine Standort- und Risikoanalyse sowie Finanzierungs-Szenarien. So erkennen Sie auf einen Blick, ob ein provisionsfreies Angebot wirklich günstig ist — oder ob die ersparte Provision längst im Kaufpreis steckt.

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